Universität Erfurt

1959: Ein Anruf beim Rektor

(TA) Wenn ein Sportverein 50 Jahre wird, ist das eine der letzten Gelegenheiten, Pioniere der Gründungszeit einzuladen. Der USV Erfurt tat’s und feierte sein halbes Jahrhundert mit Capoeira und Tradition.

ERFURT. Das Auditorium Maximum, der größte und repräsentativste Saal der Uni Erfurt, war gut gefüllt. Mit Leuten. Und mit Geschichte. Gratulanten zum USV-Jubiläum gaben sich die Klinke in die Hand. Der Vorgänger, die Hochschulsportgemeinschaft des damaligen Pädagogischen Instituts (PI), wurde vor fast genau 50 Jahren gegründet.

Wobei es „gegründet“ nicht recht trifft. „Genau genommen war es ein administrativer Akt, der vom DTSB-Kreisvorstand ausging“, erinnert sich Wolfgang Kehr (77), „aber einer, der auf fruchtbaren Boden fiel.“ Binnen kurzem hatte die HSG über 100 Mitglieder.

Der Anruf vom Sportverband landete beim Rektor, der Kehr (damals Sportlehrer am PI) und dessen Chef Wolfgang Tümpel in den Kreisvorstand bestellte. Tage später war die HSG beschlossene Sache, Kehr wurde zum ersten Vorsitzenden bestimmt. Erste Sektionen waren Leichtathletik, Schwimmen und Volleyball. „Das Problem damals war allerdings, dass wir noch keine eigenen Sportstätten hatten“, so Kehr, „zu teils abenteuerlichen Zeiten fuhren wir mit dem Rad durch die Stadt, um 6 Uhr an der Schwimmhalle oder 23 Uhr an der alten Sporthalle am Nordpark zu sein.“

Dass Mitglieder selbst Hand anlegen bei der Schaffung von Sportstätten, zieht sich wie ein roter Faden durch die Vereinsgeschichte. In den 60er Jahren arbeiteten Studenten an Wochenenden oder in den Semesterferien in Erfurter Betrieben und spendeten den Lohn für den Bau des ersten Sportplatzes.

Auch der Anbau der Unisporthalle (2008) entstand maßgeblich mit Eigenleistungen. So verband Sportdezernent Dietrich Hagemann die Glückwünsche der Stadt mit dem Wunsch, das Beispiel möge Schule machen. Unipräsident Prof. Kai Brodersen lenkte den Blick auf die Entwicklung der Sport-Infrastruktur auf dem Campus einerseits, auf das Wachstum des USV andererseits, der heute 1100 Mitglieder in 16 Abteilungen zählt. Peter Gösel, Präsident des LSB, lobte Breite, Vielfalt des Angebots des Vereins, der zu den 20 größten im Land gehört.

Von Breite, Vielfalt und bewegter Geschichte erzählt die Broschüre „50 Jahre USV Erfurt“, die jeder Gast mit nach Hause nehmen durfte. Darin - und in den Vitrinen im Audimax - auch alte Schwarzweißfotos, die den Anfang unter einfachen Bedingungen, aber auch die Sportbegeisterung der Beteiligten zeigen. Kehr: „Ich habe heute viele Studenten aus Anfangsjahren wieder getroffen, die nun selbst Rentner sind. Fast alle sind sich einig: Im Rückblick waren es tolle Erlebnisse.“ Ein Foto mit besonders viel Charme zeigt die PI-Großstaffel (10 Läufer) mit jenem schnittigen jungen Mann an der Spitze, der die gesamten 50 Jahre mit geprägt hat: Rolf Völksch. Kehr und er bekamen die Ehrennadel des Stadtsportbunds in Gold. USV-Chef Jens Panse verkniff sich lange Reden zur Geschichte (alles steht ja im Heft) und ließ die zahlreichen Gäste lange tun, wozu sie gekommen waren: alte Mitstreiter wiedertreffen und in Erinnerungen schwelgen.

Die Ehrenmedaille des USV Erfurt erhielten: Inge Friedrich (Ehrenmitglied), Jochen Heller (Volleyball), Gudrun Hoch (Seniorensport), Wolfgang Kehr (Basketball), Andreas Kolleck, Franziska Krieg (beide Karate), Jens Müller (Schwimmen), Jens Panse (Leichtathletik), Denise Pawlowski, Sabine Schneider (beide Karate), Gerhard Sommerfeld, Rolf Völksch (beide Orientierungslauf), Erika Wellmann (Eltern-Kind-Turnen), Detlef Zimmer (Basketball).

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